Leider kein Aprilscherz….Krebs macht keine Scherze


Boomer hat Krebs. Am Dienstag wurde er von einer Spezialistin nochmals per Ultraschall untersucht und ein Tumor wurde am Herzen gefunden, angrenzend an die Aorta. Keine Ahnung, warum vor zwei Wochen die Klinik beim Ultraschall nichts entdeckt hat. Ist auch egal. Ich wünschte, die Spezialistin hätte auch nichts gefunden. Wobei ich gar nicht weiß, ob das viel besser gewesen wäre, wenn weiterhin keine Ursache für die zwei Herzbeutelergüsse (der 2. Erguss kam genau 2 Wochen nach dem ersten…am 23.03.17) gefunden worden wäre. Jetzt weiß man wenigstens, woran es lag und es ist nicht mehr so gruselig, aber scheiße ist es trotzdem.

Ich weiß noch gar nicht, wie ich damit umgehen soll. Boomer geht’s momentan wieder gut. Wenn ich es nicht besser wüsste, dann käme ich nicht auf die Idee, dass er irgendetwas (Schlimmes) hat.

Ich habe die letzten Tage versucht, diese Nachricht sacken zu lassen und mir gefühlte 1000 Fragen gestellt. Wie geht’s jetzt weiter? Was mache ich nun? Mache ich überhaupt was? Was kann ich überhaupt tun? Was ist das Beste für Boomer?

Fakt ist, dass per Ultraschall nicht geklärt werden konnte, was es für ein Tumor ist (es kommen wohl nur 2 Arten in Frage), ob gut- oder bösartig…dafür müsste ich in eine größere Tierklinik fahren, Boomer da lassen, damit die eine Gewebeprobe nehmen. Fakt ist aber weiter, dass alle medizinischen Möglichkeiten mit einem fetten Fragezeichen und durchaus lebensbedrohlichen Risiken versehen sind. Egal, ob gut- oder bösartig…eine OP wäre ein extrem schwieriges Unterfangen bzw. je nach Art des Tumors sowieso nicht möglich und wenn doch, dann kann kein Arzt sagen, ob das was bringen würde. Chemotherapie wäre je nach Art des Tumors auch eine mögliche Variante, doch auch hier gibt’s keine Gewährleistung, ob sie was bringt und derzeit ist es auch noch unklar, ob eine Chemo überhaupt in Frage käme. Abgesehen davon kann der Herzbeutelerguss jederzeit wieder kommen und man kann nichts weiter tun, als zu hoffen, dass man es mitkriegt und es rechtzeitig abpunktieren kann…bis zum nächsten Mal. Natürlich mit der Sorge, dass Entzündungen folgen können, wenn man dem Hund alle paar Wochen durch den Brustkorb ins Herz sticht…

Ich finde, trotz vielzähliger, moderner, medizinischer Möglichkeiten sind das ganz schön viele Fragezeichen und Risiken. Und was würde das für Boomer und mich bedeuten?

Wenn eine Chemo möglich wäre, müssten wir damit rechnen, mindestens 1x pro Woche eine lange Autofahrt zur Fachklinik auf uns nehmen zu müssen, in der wir dann wahrscheinlich jedes Mal einige Zeit verbringen dürften und das auf unbestimmte Zeit mit unbestimmten Konsequenzen…denn so eine Chemo ist ja kein Zuckerschlecken und geht noch zusätzlich auf die Gesundheit. Nebenwirkungen wären zu erwarten, das Immunsystem wird langsam aber sicher zerstört…plus die Tatsache, dass Tierarzt so generell Stress bedeutet und nicht zu Boomer’s Lieblingsbeschäftigungen gehört.

Fühlt sich für mich eher an wie eine Qual, nicht wie eine Wahl.

Macht es da Sinn, meinem Hund diese Odyssee anzutun? Ihm diesen Stress zuzumuten, wegen einem Funken Hoffnung? Er befindet sich jetzt in seinem 9. Lebensjahr, hat schlimme Arthrose (HD/ED mit mehreren Spondylosen) die auch nicht besser wird und ständiger Behandlung bedarf. Und was würde das Ganze mit mir machen? Ich weiß es leider schon…ich würde in eine Spirale aus Hoffen und Bangen hineinrutschen und die Hilflosigkeit würde mich krank machen, mir buchstäblich auf die Nerven gehen. Das wäre ein Ausnahmezustand auf Dauer, bei dem niemand weiß, ob er was taugt und ob jemals wieder ein Normalzustand erreicht werden könnte. Der Sog der Krankheit.

Natürlich möchte ein Teil von mir alles tun, was er kann. Natürlich könnte ich jetzt anfangen, quer durch die Bundesrepublik zu touren, um einen Spezialisten nach dem anderen ausfindig zu machen. Ich könnte anfangen, nach jedem Strohhalm Hoffnung zu greifen und die nächsten Wochen, Monate oder auch Jahre mit meinem Hund mehr Zeit in irgendwelchen Kliniken verbringen, als irgendwo sonst. Chemo hier, Studie dort…unser Leben in Abhängigkeit von Ärzten. Zumindest so lange bis zur Privatinsolvenz, die käme dann nämlich auch auf mich zu. Das muss ich mal so knallhart sagen… (Ich weiß, dass es teilweise verpönt ist, die Kosten für seinen Hund zu erwähnen…wie heißt es so schön…über Geld spricht man nicht und der Hund ist ein Familienmitglied, da hat man entweder die Kohle, oder man darf sich keinen Hund anschaffen blablabla. Ja, stimmt. Ein gewisses finanzielles Polster sollte bei der Hundeanschaffung mit berücksichtigt werden, denn wenn der Hund mal krank wird, kann es schnell mal vierstellig werden. Ist mir bekannt und berücksichtigt worden. Aber hier das ist nicht „mal krank“, sondern ein Dauerzustand, der dauerhaft sehr viel Geld kosten würde… Das nur für die Personen am Rande bemerkt, die kein Pardon kennen und jeden gleich mit o.g. Argumenten totschlagen, der es wagt, über Tierarztrechnungen zu jammern. By the way…ich habe diesen Monat fast 2000€ raus gehauen….grob geschätzt könnten nochmal Kosten auf mich zukommen, die locker das Doppelte oder Dreifache ausmachen…wie viele haben ein Volumen von 10.000€ für ihren Hund auf der hohen Kante?)

Und…würde das was ändern? Der Krebs ist da und wie man ihn so kennt, bleibt er auch gerne oder kommt wieder, wenn er denn kurzzeitig geht. Er ist ein Teufel, der Vergnügen daran hat, mit seinen Opfern und deren Angehörigen ein Spiel zu spielen…

Klingt meine Einstellung zu negativ? Zu wenig ambitioniert, meinem Hund zu helfen?

Tja…die Frage ist doch, ob ich ihm wirklich helfen würde, indem ich in blindem Aktionismus alles tue, was die Medizin anpreist. Es steht irgendwie noch nicht mal 50:50…eventuell vielleicht und mit viel Glück könnte das alles etwas bringen und Boomer könnte vielleicht ein bisschen länger mein Hund sein. Aber wäre das alles Quality Time? Ein schönes Leben für Boomer und mich?

Ich muss ehrlich zugeben, und der finanzielle Faktor ist definitiv nicht der ausschlaggebende, dass ich zu der Entscheidung tendiere, den Krebs den Krebs sein zu lassen und die Zeit, die mir mit Boomer bleibt, zu genießen, indem ich uns den Stress eben nicht antue. Ich möchte mit Boomer durch unsere Wälder und Wiesen streifen und mich daran erfreuen, wie er sich seines Lebens freut…wenn er schnüffelt, markiert, sich wälzt, tobt und fetzt. Ich möchte mit Boomer abends auf der Couch kuscheln, ihm den Bauch streicheln und ihm dabei zusehen, wie er friedlich in seinem Körbchen schläft. Und das, solange es uns noch gegönnt ist.

Ich möchte unsere Zeit, die vielleicht nur noch kurz ist, man weiß es ja nicht, nicht damit verbringen, in Wartezimmern zu sitzen, meinem Hund mit jeder Behandlung Angst einzujagen und darauf zu hoffen, dass der Krebs Erbarmen hat.

Klingt das hart? Zu kaltherzig? Bin ich dann schuld an seinem Tod, weil ich nicht alles versucht habe?

Diese Fragen quälen mich zurzeit noch…und doch steht mein Entschluss im Grunde schon. Wenn nicht so viele Fragezeichen und Risiken da wären, dann wäre er anders, aber so, unter diesen ganzen Umständen…bin ich geneigt zu dem Schluss zu kommen, dem Leben zu vertrauen und mich dem Schicksal zu stellen…für Boomer, für mich selbst!

Dazu muss man wissen, bevor man mich als „Rabenhundemama“ verurteilt, die jetzt nicht alles tut, dass es noch kein Jahr her ist, als ich meinen Vater an Krebs nach einer einjährigen Tortur verloren habe. Mir ist es noch sehr in Erinnerung, wie mein Vater alles versucht hat, um gegen den Krebs zu gewinnen. Ein Jahr voller Hoffnung und Angst, ständiger Krankenhausaufenthalte und körperlichem Zerfall wegen der Chemotherapie. Keine Zeit für gar nichts, wegen Behandlungsterminen und schmerzlichen Nebenwirkungen. Und am Ende die Ernüchterung und der Wunsch auf dem Sterbebett…man hätte die Zeit besser für anderes genutzt….für anderes, was eher dem „Leben genießen“ entspräche.

Und da war ich mit meinem Papa einer Meinung…das Leben zu genießen ist wichtiger, als seine Zeit damit zu verbringen, gegen den Tod zu kämpfen…denn der kommt sowieso.

Per aspera ad astra!

Oder wie seht ihr das?

 

 

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7 Gedanken zu “Leider kein Aprilscherz….Krebs macht keine Scherze

  1. Ich bin erschüttert und es tut mir so unendlich leid,dass es jetzt diese Diagnose gibt…

    Ich kann dich gut verstehen.Als unsere Emma letztes Jahr mit einer Vergiftung in der Klinik lag,war auch zu überlegen,was machen wir,wenn es nicht besser wird und man anfangen würde zu experimentieren…

    Wir haben gesagt,wir lassen sie erlösen.Weil wir das unserem Hund nicht antun wollten,egal wie sehr wir sie lieben…

    Zum Glück geht es ihr heute wieder besser und wir mussten diese Entscheidung nicht treffen…

    Ich wünsche euch noch eine lange,schöne gemeinsame Zeit…

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  2. 😓Hallo….Ach menno. Das tut uns leid. Mein erster Gedanke war auch,erst einmal abwarten ,wie sich dieser Tumor entwickelt. Vielleicht hat er ihn ja schon ewig und er wächst nicht. Falls es nicht der Fall ist,kann man ja immer noch umdenken . Was ist richtig oder falsch? Ich glaube diese Frage kann man nicht beantworten. Solange sich das Tier nicht quält….Ach man…..Was für eine doofe Situation. Ich weiß auch nicht wie ich entscheiden würde. Ist auch eine Frage des Geldes,ich finde dieses Denken nicht falsch. Es handelt sich ja nicht um normale TA kosten….Ich drücke euch ganz doll und auch alle Pfoten,das es alles besser wird😏

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  3. Machs genauso – nimm dir Zeit für euch. Lass den Krebs Krebs sein. Schau hin, wie es ihm geht. Geht euren Weg gemeinsam und lass ihn gehen, wenn er dir zeigt, dass es auf dieser Seite kein Bleiben mehr für ihn ist.

    Boomer hat vor allem zwei Dinge verdient – Liebe und Würde.

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  4. Ich bin da ganz bei dir, mein Usch trotzt nun seit 9 Jahren dem Krebs und das trotz einer Prognose von wenigen Wochen. Was wir getan haben, nachdem bei der ersten OP ein Tumor angeschnitten wurde und gestreut hatte… – nichts. Vielleicht grade wegen der schlechten Prognose und es war genau Richtig. Im Mai wird sie 12. Letztes Jahr bekam sie eine zeitlang Cortison (wegen etwas anderem) das war so schrecklich die ist mit den Nebeneirkungen fast wahnsinnig geworden – die hatte so Heisshunger, daß sie nie zur Ruhe kam und sogar Pappe usw fressen wollte. Ich werde der Natur ihren Gang lassen auch wenn es vermutlich keine 13 werden…aber wer weiß..totgesagte leben länger.

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  5. Ich habe alle meine Hunde, die ich bisher hatte an den Krebs verloren. Bei Bea war er so perfide, dass ich im Grunde nichts machen konnte, außer sie an dem Tag, als sie mir zeigte, dass es nicht mehr ging, gehen zu lassen. Bei meinem Tizian wollte ich die Diagnose nicht glauben und holte eine 2. Meinung in einer Fachklinik ein, die so beschissen gearbeitet hat, dass er das schon fast nicht überlebt hätte. Wir hatten noch knapp 7 Monate zusammen. Ich kündigte meinen damaligen Job um ausreichend Zeit für und mit ihm zu haben. Bei Angel ahnte keiner was, noch nicht mal die Ärztin. Es gab keine Anzeichen, nichts. Dann verhielt sie sich von einem auf den anderen Moment seltsam, so dass ich zum Arzt ging. Diagnose Darmkrebs. 2 Tage danach ließ ich sie Zuhause in meinen Armen einschlafen. Du bist keine Rabenhundemutter, wenn du unter den geschilderten Umständen die Zeit mit deinem Hund bestmöglich und für ihn stressfrei gestaltet und mit ihm verbringst. Dein Bauchgefühl ist entscheidend. Das und nichts anderes, schon gar nicht Geld. Denn jeder, so auch du, würde unter besseren Vorzeichen und körperlichen Gegebenheiten freudestrahlend für sein Tier in die Insolvenz gehen, wenn es die Gewährleistung für gesunde lange und qualitativ hochwertige Jahre gäbe. Gestalte die Zeit mit deinem Schmusebubbel so schön es geht und genieße jeden Tag. Das wird schwer genug für dich werden, denn den Gedanken „vielleicht ein letztes Mal“ wirst du als ständigen Begleiter haben. Ich wünsche euch von Herzen noch viele gute Jahre.

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  6. Ich wünsche Dir die Stärke mit dem armen Kerl alles gemeinsam durchzustehen.
    Ich wünsche Dir die Liebe ihn los zulassen, wenn es nötig wird und ich wünsche Dir die Kraft dann weiter zumachen. Bis dahin allerdings wünsche ich EUCH Spaß, tolle Stunden und unvergessliche Momente!!

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