Was sind denn bitte Rasselisten?


Es war ein sonniger Sonntag im Juni und die Leute einer kleinen Stadt im vorderen Westerwald beschlossen, nach dem Mittagessen einen Spaziergang zu unternehmen. Es war Flohmarkt und so strömten die Leute dorthin, um ein wenig über den Markt zu schlendern. Gleichzeitig fand an diesem schönen Tag auch ein Tierheimfest statt und so dachten sich die Leute, als sie mit dem Flohmarkt fertig waren, dass sie auch mal kurz zum Fest des Tierheimes spazieren könnten. Dort gab es schließlich Kaffee und Kuchen und weitere Stände zu bestauen.

Hierbei kamen sie nicht umhin, auch an einem Stand der IG Gegen Rasselisten e.V. vorbei zu gehen. Rot leuchtete der Pavillon und das Banner mit der Aufschrift machte so manche Leute neugierig.

„Was sind denn bitte Rasselisten?“, fragten sie die Frau, die hinter dem Tisch mit dem Banner stand, denn sie wussten überhaupt nichts mit diesem Begriff anzufangen. Er erinnerte sie höchstens an „Nazi-Deutschland“, aber das war ja schon lange her. Deswegen wurden sie neugierig, was ein solcher Begriff auf einem Tierheimfest an einem Stand an einem schönen Sonntag im vorderen Westerwald im Jahr 2017 in Deutschland verloren hatte.

Die Frau am Stand merkte recht schnell, dass sie nur den Einstieg ins Gespräch finden würde, wenn sie den Begriff „Kampfhund“ erwähnte. Erst dann ertönte von den Leuten ein „Ahhhh, ja“ (da war ja was) und die Frau konnte beginnen zu erklären, dass der Gesetzgeber aufgrund einiger schlimmen Beißunfälle ums Jahr 2000 herum, einer reißerischen Medienberichterstattung von Bild-Zeitung & Co. und einer hitzigen Debatte der Politik, Rasselisten erlassen hatte, weil er vermutete, dass bestimmte Hunderassen (willkürlich bestimmt je nach dem so 3-20) gefährlicher seien, als alle restlichen (immerhin so um 300) Hunderassen.

Die Leute schüttelten überwiegend mit den Köpfen und meinten:

„Das ist doch Quatsch! Es liegt doch nicht an den Hunden, das obere Ende der Leine ist doch entscheidend. Beißen können sie doch alle.“

Und die Frau vom Stand nickte zustimmend und war positiv überrascht, dass die meisten Leute aus der Bevölkerung das so sahen, denn sie wusste, dass von der Politik ein Argument pro Rasseliste immer war, dass sie davon ausgingen, dass die Bevölkerung die Rasselisten wollte.

„Genau deswegen gibt es unseren Verein! Wir sehen das genauso und vor allem sind wir damit nicht allein. Sämtliche Experten, sprich: die Wissenschaft, sehen das auch so. Ist es nicht erschreckend, dass Gesetze ohne sachliche Grundlagen, sprich: Fakten, zustande kommen können und anstatt dessen auf Vorurteilen und fachlicher Unwissenheit basieren dürfen? Wir möchten das nicht in einem Rechtsstaat. Wir möchten, dass ungeeignete Halter keine Hunde führen dürfen, vor allen Dingen als Schutz für Menschen UND Tiere, und Halter generell geschult werden, damit Beißunfälle präventiv durch Sachkunde verhindert werden. Und das Rasse übergreifend!“

„Ja, da haben Sie Recht! Das Problem sind doch die Menschen, nicht die Hunde! Sachkunde finde ich gut!“

So liefen fast alle geführten Gespräche an diesem Sonntag ab und die Frau vom Stand dachte sich als ihr persönliches Fazit von diesem Tage vor allen Dingen eins:

Angst entsteht vor Fremdem, weil man nichts über das Fremde weiß. Und so erheben sich die Emotionen über den Verstand und nähren die Unwissenheit, die zu Vorurteilen führt, die in einem Glauben münden und Glauben heißt: Nicht wissen.

Wissen die Leute, erhebt sich der Verstand über die Emotionen und Glaube löst sich in Gewissheit auf. Erst dann ist Problemlösung wirklich möglich, weil man keinen Sündenbock mehr braucht.

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6 Gedanken zu “Was sind denn bitte Rasselisten?

  1. Ich hoffe und bete auch, dass das noch zu meinen Lebzeiten bei den Politikern endlich mal ankommt. Wenn da nicht jedoch noch das Geld wäre, was sie dadurch en Masse verdienen können – in Form von willkürlich erhöhter Hundesteuer. Sollte die jemals abgeschafft werden, ist die Rasseliste schnell Geschichte.

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