Vom Willkür-Listen-Chaos ohne Sinn & Verstand


Die Bull-Rassen….19260708_1739552902726631_5977878713286709566_n
Alle diese Hunde bzw. Rassen haben historisch betrachtet „Kampfhundgeschichte“ und stammen, grob überspitzt und zusammenfassend ausgedrückt, aus dem gleichen historischen Guss. Sie ähneln sich nicht nur optisch, sondern geschichtlich betrachtet haben sie auch alle den gleichen Nenner, gingen nur nach und nach andere züchterische Wege…. So entstand aus dem einen Schlag mehrere Rassen, es gab und gibt Weiterzüchtungen, Rückzüchtungen, Züchtungen eher nach Aussehen, eher nach Eigenschaften usw. 
Für Laien – also Menschen, die sich noch nie mit Hunden oder Hunderassen im Allgemeinen und erst recht nicht mit den Bulli-Rassen im Besonderen auseinandergesetzt haben, sind alle diese abgebildeten Hunde mehr oder weniger gleich….sie erkennen nicht wirklich Unterschiede.
Und wer möchte es ihnen verübeln? Bei den abgebildeten Rassen gibt es nämlich auch noch verschiedene Typen und auch für Kenner ist es nicht immer leicht, die Rassen zu bestimmen.
Letztendlich ist es auch egal, oder? Alle diese Hunde sind Hunde, können bei falscher oder fehlender Erziehung beißen oder unseriöser, züchterischer Selektion Wesenszüge erhalten, die der zivilisierte Mensch nicht möchte.
Nun möchte ich heute gar nicht auf die einzelnen Entwicklungen dieser Rassen und ihrer Geschichte eingehen, ich möchte zeigen, wie willkürlich die Einstufungen der einzelnen Bundesländer sind.
Wenn man bedenkt (und das ist FAKT!), dass es keinerlei wissenschaftlich, begründete Studien bzw. Ergebnisse gibt, dass es gefährliche Hunde per Rasse gibt, also schon mal so grundsätzlich keine sachliche Grundlagen für Rasselisten existieren, dann – so hoffe ich – wird dieser willkürliche Einstufungs-Wahnsinn, den unser Staat da fabriziert hat, nun noch klarer…
Grober Überblick und Einführung:
In Deutschland besteht 1 Rasseliste kraft Bundesgesetz (was lediglich die Einfuhr und Verbringung von bestimmten Hunderassen ins Inland, heißt: Deutschland, regelt).
In 14 Bundesländern bestehen verschiedene Rasselisten kraft Landesgesetz.
In 2 Bundesländern bestehen keine Rasselisten mehr kraft Landesgesetz (Niedersachsen und Schleswig-Holstein).
In 15 Bundesländern bestehen von Ort zu Ort verschiedene Rasselisten kraft Ortsrecht, heißt: Gemeinden dürfen „Kampfhundesteuern“ per Hundesteuersatzung erlassen, die nicht mit der evtl. vorhandenen Rasseliste im Landesgesetz übereinstimmen müssen. Bedeutet z.B., dass es in Niedersachsen auf Ortsebene steuerlich betrachtet noch Listenhundsteuern gibt, trotz dessen, dass es bereits seit 2003 keine Rasseliste kraft Landesgesetz mehr gibt. Die Gemeinden dürfen also weiter ihre eigenen Rasselisten stricken, um die Haushaltskasse aufzubessern.
In 1 Bundesland darf keine Rasseliste mehr kraft Ortsrecht bestehen (Schleswig-Holstein), heißt: Hier wurde per Landesgesetz (Kommunalabgabengesetz) den Gemeinden untersagt, ihr eigenes Rasselisten-Süppchen zum Pimpen ihrer Haushaltskasse zu kochen.
Daneben gibt es verschiedene Varianten von Rasselisten.
In 5 Bundesländern wird kategorisch unterschieden zwischen „vermutlich besonders gefährlich“ (Kategorie 1) und „vermutlich gefährlich, aber halt nicht ganz so gefährlich wie Kat. 1 (Kategorie 2).
In 9 Bundesländern gibt es einfach nur eine Liste („vermutlich halt einfach gefährlich“).
In 1 Bundesland gibt es noch eine Kategorie 3 – die nochmal Hunde mit einer bestimmten Größe und/oder Gewicht mit auf die Liste nimmt (NRW).
Die einen Rasselisten gehen einher mit Zucht- und Handelsverboten, die anderen lassen wiederrum Zucht und Handel zu, die Haltung wird unter Erlaubnispflicht gestellt.
Letztendlich alles schon mal sehr verwirrend, unübersichtlich und so gar nicht gefahrenabwehrtechnisch klug, denn wie man oben sieht….wäre es zumindest mir kackegal, welche Rasse mich beißt, denn ich möchte von keinem Hund gebissen werden.
Und nun kommt die Einstufung in dieses Rasselistensystem:
American Pitbull Terrier:  Er trägt seine Geschichte im Namen und erscheint daher IMMER auf jeder Rasseliste. Auch stets Kategorie 1. 
Import laut Bundesgesetz streng verboten und unter Freiheitsstrafe gestellt!
Kein Listenhund in: Schleswig-Holstein und Niedersachsen
American Staffordshire Terrier: Genauso wie der APBT auf jeder Rasseliste ganz oben (Kat. 1). Import laut Bundesgesetz streng verboten und unter Freiheitsstrafe gestellt! Kein Listenhund in: Schleswig-Holstein und Niedersachsen
Staffordshire Bull Terrier:
Import laut Bundesgesetz streng verboten und unter Freiheitsstrafe gestellt!
Kat. 1 bzw. „einfach Liste“ in:
– Bayern
– Brandenburg
– Bremen
– Hamburg
– Hessen
– Mecklenburg-Vorpommern
– Nordrhein-Westfalen
– Rheinland-Pfalz
– Saarland
– Sachsen-Anhalt
– Thüringen
Kat. 2 in:
– Baden-Württemberg
Kein Listenhund in:
– Berlin
– Niedersachsen
– Schleswig-Holstein
– Sachsen
Bullterrier:
Import laut Bundesgesetz streng verboten und unter Freiheitsstrafe gestellt!
Kat. 1 bzw. „einfach Liste“ in:
– Baden-Württemberg
– Berlin
– Brandenburg
– Bremen
– Hamburg
– Hessen
– Mecklenburg-Vorpommern
– Nordrhein-Westfalen
– Sachsen
– Sachsen-Anhalt
– Thüringen
Kat. 2 in:
– Bayern
Kein Listenhund in:
– Niedersachsen
– Schleswig-Holstein
– Rheinland-Pfalz
– Saarland
ACHTUNG! Mini-Bullterrier: Diese eigenständige Rasse wird mal so, mal so eingestuft oder halt auch nicht. Meist kommt es aufs Stockmaß (Größe) an. Hat man einen etwas zu groß geratenen Mini-Bulli, kommen manche Behörden auf die Idee, ihn als normalen Bullterrier zu sehen. Manche Bundesländer erkennen diese Rasse auch gar nicht an und gehen automatisch von einem Bullterrier aus….End vom Lied: Überall dort, wo der Bullterrier ein Listenhund ist, kann man Probleme bekommen, oder halt auch nicht. Eine (rechtssichere) Sicherheit gibt es für Hund & Halter nicht….entweder hat man Glück, oder Pech.
English Bulldog: Kein Listenhund! Obschon ein Kraftexemplar mit Kampfhundgeschichte, der durchaus kräftig zupacken kann, ist seine Züchtung zu einem kleinen Kerl mit häufigen Atem- und Gewichtsproblemen sein Glück gewesen.
American Bulldog: 
Kat. 1 bzw. „einfach Liste“ in:
– Hessen
Kat. 2 in:
– Bayern
– Nordrhein-Westfalen
Kein Listenhund in:
– Baden-Württemberg
– Berlin
– Brandenburg
– Bremen
– Hamburg
– Mecklenburg-Vorpommern
– Niedersachsen
– Rheinland-Pfalz
– Saarland
– Sachsen
– Sachsen-Anhalt
– Thüringen
Old English Bulldog: Taucht auf keiner Liste auf, weil diese neue Rasse erst 2014 vom UKC anerkannt wurde, aber noch nicht vom FCI. Sprich: Die Herren Gesetzgeber konnten ihn im Jahr 2000 noch nicht listen, da es ihn offiziell nicht gab. Nun streitet man sich, wie diese Hunde einzustufen sind. Aktuell eigentlich kein Listenhund, wird aber versucht von den Behörden, ihn zum Listenhund zu machen (Stichwort: Kreuzung)…in NRW zum Beispiel gab es jetzt ein entsprechendes Urteil…es bleibt abzuwarten, was passiert.
Zu verdanken ist dies zum großen Teil unseriösen Vermehrern, die ihre Pit/Staffs als Old English Bulldogs verkaufen und damit große Verwirrung stiften, was denn jetzt ein OEB ist, aber auch den Haltern, die ihre Pit/Staffs als OEB bei der Behörde anmelden, ohne einen OEB zu haben.
American Bully: Gleiches Trauerspiel noch ein bisschen schlimmer. Neue Rasse aus Amerika, nicht FCI anerkannt, 2000 noch nicht existent, Weiterzüchtung aus Pit/Staffs, Bulldogs, Mastiffs usw. Der Gesetzgeber erkennt diese Rasse nicht an, der American Bully gilt daher grundsätzlich als Kreuzung aus gelisteten Rassen, ergo: Listenhund! In der Praxis läuft das dann aber so, dass der eine Amtsmensch den Bully als Nicht-Listi wertet, da er diesen nicht auf der Liste findet, der andere Beamte stuft ihn als Kreuzung ein.
Und das ist natürlich nicht alles! Lasst euch die Kurzübersicht der deutschen Hundegesetzgebung mit ihren nicht-zielführenden Listen mal auf der Zunge zergehen!
Da tauchen dann auch Rassen auf, die es einfach nicht gibt (z.B. Bandog in Bayern- auch immer nur ein anderer Name für Pit/Staff, keine Rasse) und noch weitere Rassen, von denen man nie gehört hat bis hin zu dem Umstand, dass es so unterschiedlich munter weitergeht und sich auch immer schön offen gehalten wird, die Rasselisten jederzeit erweitern zu können.
Ist es nicht schlimm, was da passiert? Der eine Hund wird als gefährlich angesehen, der andere, der optisch/größentechnisch/gewichtsmäßig gar nicht so weit von dem Hund entfernt ist, nicht, der andere wird als Kreuzung eingestuft, der andere fällt wieder durchs Raster. Der eine Hund wird wegen diesem Stumpfsinn aus seiner Familie gerissen, der andere, der identisch aussieht, nicht.
Und dann komme ich wieder zurück auf das Thema mit dem Laien….der Otto-Normal-Verbraucher, der deutsche Michel, die Bevölkerung…ich habe den Test gemacht und Bekannte, die so gar nix mit Hunden zu tun haben, gefragt, wo für sie der Unterschied ist….sie sagten mir, sie sähen da keine oder nur wenige, optische Unterschiede. Es war ihnen egal, was das im Einzelnen für Hunderassen seien, sie wollten am liebsten einfach nur von gar keinem davon, aber auch von keinem Schäferhund, Labrador, Retriever oder sonst einem Hund angegriffen werden.
Das kann man verstehen und man könnte diesem Wunsch gezielt entsprechen, wenn man die Hundehalter in die Pflicht nähme, ihre Hunde – egal, für welche Rasse sie sich entschieden haben – bitte sicher zu führen (was ein wenig Verständnis für das Hundewesen und seine Erziehung voraussetzt) und wenn sie es nicht tun, gäbe es Konsequenzen. Thats’it! Mehr bräuchte es gar nicht. Wäre auch besser für die Hunde, die dann nicht so kopflos angeschafft würden, in Tierheimen vegetieren müssten, als Fundhunde ausgesetzt würden.
Aber nö….das „mildeste Mittel“- also die einfachste, vermeintlich vertretbare Möglichkeit war dieses willkürliche Rasselisten-Chaos….
REALLY???
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2 Gedanken zu “Vom Willkür-Listen-Chaos ohne Sinn & Verstand

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