Warum die Rasselisten bleiben werden


FAZIT – nach meinem Erleben in den letzten 5 Jahren:

Wir haben Hundegesetze mit Rasselisten, die auf der einen Seite so gut wie gar nicht beachtet werden und auf der anderen Seite so gut wie nicht vollzogen werden.

Wenn sie vollzogen werden, leiden unschuldige Hunde, die einfach nur existieren, weil die Umsetzung der Gesetze für sie bedeutet: Tierheimaufenthalt – manchmal für immer!

Jemand, der sich brav an die Gesetze hält, wird mit erhöhten Steuern als Dank abgestraft und muss seinem Hund tierschutzrelevante Dinge wie Dauer-Maulkorb und Dauer-Leinenzwang antun. Wenn dieser Jemand das nicht möchte, heißt es nochmal tief in die Tasche greifen, um den Wesenstest für Maulkorbbefreiung & Co. zu bezahlen. Es bleibt ein fader Beigeschmack, wozu das gut sein soll und Vorurteile & Diskriminierung kommen oben drauf als Schmankerl…man trägt die Listenlast.

Jemand, der die Gesetze missachtet, kommt meistens super damit durch und fällt nicht auf. Wenn tatsächlich doch mal so jemand auffällt, kommt der Hund ins Tierheim und fristet dort sein Leben, bis vielleicht mal jemand anderes vorbeikommt, der brav ist und sich für diesen Hund an die Gesetze halten möchte. Wenn nicht, dann hat der Hund halt Pech. Und die Tierheime auch.

Lustigerweise geben sich auf diese Art und Weise Politiker/Behörden und die, die Gesetze missachten, die Hand und arbeiten quasi gemeinsam dran, dass die Rasselisten bleiben.

Warum?

Ganz einfach.

Die Politik/Behörden sind der Meinung, dass es gefährliche Hunderassen gibt. Seit etwa 20 Jahren werden diesbezügliche fachliche Stellungnahmen von Experten (die sich insgesamt einig gegen Rasselisten aussprechen) rigoros ignoriert. An dieser Perspektive ist kaum zu rütteln. Da kann man mit Studien und sonstigen wissenschaftlichen Erkenntnissen wedeln…interessiert nicht!

Das ist der Basis-Denkfehler.

Schuld daran – wie schon geschrieben hier im Blog – waren verschiedene Faktoren.

Das Bundesverfassungsgericht hatte dann damals die Rasselisten nur unter einer Bedingung für verfassungsgemäß erklärt…und zwar nur dann, wenn sich herausstellen sollte, dass sich diese rassespezifischen Vermutungen der Gefährlichkeit bewahrheiten.

Deswegen wurden Beißstatistiken eingeführt.

Nun wissen wir alle, was die Beißstatistiken belegen:

a) eigentlich belegen sie nichts, da sie so unterschiedlich und dilettantisch geführt werden, dass man mit diesen Zahlenwerken nichts anfangen kann; regelmäßig fehlen Zahlen der gesamten Hundepopulation, es fehlen Zahlen vom Unfällen vor 2000 (ergo: keine Vergleichsmöglichkeiten), es werden Rassen/Mischlinge/Phantasierassen mal so, mal so aufgeführt – es ist in vielen Statistiken keine klare Linie zu sehen, die Ursachen/Hintergründe werden nicht beleuchtet, es existiert keine Verpflichtung, Beißvorfälle zu melden usw.

b) die Beißvorfälle insgesamt steigen an und nehmen nicht ab

c) die „Listenhunde“ sind meist prozentual auf den unteren Rängen zu finden und ganz andere Rassen tauchen ganz oben auf

Eigentlich müsste sich – nach der Logik der Politik – somit immer und immer wieder die Rasseliste ändern….nämlich je nach dem, welche Rasse gerade ganz oben steht und am meisten zugebissen hat.

Tut’s aber nicht.

Die Beißvorfälle insgesamt sind unrelevant….d.h. der Politik sind 95% der Beißunfälle egal. Die werden stets ignoriert, denn dafür wurden die Beißstatistiken paradoxerweise nicht eingeführt.

Sie wurden eingeführt, um – zumindest oberflächlich betrachtet – dem Verfassungsgericht Folge zu leisten. Die Beißstatistiken dienen der Umsetzung der Bedingung, damit man rein theoretisch überprüfen könnte, ob das so mit den Gefährlichkeitsvermutungen stimmt.

Deswegen interessiert bei den Statistiken nur die Anzahl der Listenhunde, die gebissen haben.

Einzig und alleine nur darauf wird geschaut….um die Bewährung der Rasselisten zu begründen.

Nun ist es so, dass die Anzahl der offiziell angemeldeten „Listenhunde“ seit Einführung der Rasselisten stetig weniger werden…in den meisten Gemeinden (die ich so kenne) gibt es offiziell keine Listenhunde (was im Umkehrschluss für die Politik bedeutet: Rasselisten funktionieren).

Dies ist zum Einen so, weil viele Menschen aufgrund Steuern & Auflagen von der Haltung absehen.

Das ist zum Anderen so, weil viele Menschen auf die Vorschriften sch*** und ihre Hunde als was anderes anmelden, als sie sind, sofern denn überhaupt.

Das freut die Politik, denn der Blick in die Statistik bedeutet dann nur eins:

Seit dem wir Rasselisten haben, gibt es weniger „Kampfhunde“, weniger Beißunfälle mit diesen und deswegen sind die Rasselisten super und werden bleiben!

Damit dürfen alle die, die auf die Rasselisten sch***, sich auf die Schulter klopfen, denn sie wirken durch ihre Einstellung „Gilt nicht für mich“ dazu bei, dass die Politik meint: „Hamma subba gemacht!“

Und weil das so gut funktioniert in Theorie und Praxis….sind schon weitere Rassen im Gespräch…Kangal zum Beispiel…Hütehunde so allgemein. Kann man mal drüber nachdenken und wenn dann so 2-3 Beißunfälle nacheinander mit der gleichen Hunderasse passieren und – das ist wichtig – diese Hunderasse nicht so eine große Lobby hat (da nicht so weit verbreitet in Deutschland), na dann…hopps…vielleicht auch bald auf der Liste…klappt ja so schön….

Ironie aus…

Ich finde das alles so richtig sch***

Aber was will man machen? Die Ignoranz ist groß – auf allen Seiten.

Deswegen war’s das jetzt wirklich für mich hier. Ich habe keine Lust mehr mit der Politik darüber zu sprechen und mir anzuhören, dass die „Kampfhunde“ so gut wie ausgerottet sind und dann auf einem Spaziergang in einem kleinen, ländlichen Kaff gleich 3 Stück auf einmal zu treffen, von denen die Behörden offiziell nix wissen. Ich habe es satt, mitzukriegen, wie alle paar Wochen in irgendwelchen Tierschutzvereinen die nächste Fuhre von beschlagnahmten Staffmixwelpen ankommt. Mich nervt dieser ganze Rassewahnsinn, der im Endeffekt so schnurzpiepegal ist, weil’s auf den Menschen dahinter ankommt (Züchter sowie Halter).

Ich habe einfach genug davon.

Mein Kampf ist vorbei.

Mein Hund ja auch (leider).

Also macht, oder nicht…

Ich lebe und lass es!

(Der Blog bleibt für die virtuelle Welt bestehen…Facebookseite und Instagram nicht)

Goodbye!

Danke euch…hat eine lange Zeit Spaß gemacht!

 

 

 

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4 Gedanken zu “Warum die Rasselisten bleiben werden

  1. Traurig, aber wahr… In den nunmehr 35 Jahren Hunde und Mehrhunde Haltung bin ich nicht EINMAL kontrolliert worden, es sei denn natürlich bei der Anmeldung, inkl Hausbegehung/Fotografieren usw.. ich habe seit 2000 fast durchgehend Listenhunde, stand deswegen hochschwanger vor der Obdachlosigkeit..trotzdem Listenhunde, meist, um ihnen ein Leben im Tierheim zu ersparen, habe mich engagiert, bis ich ausgebrannt und somit unnütz für einige Menschen wurde, für die der Kampf gegen die Listen, zum Teil (Nicht alle) zum reinen Selbstzweck geworden war. Die sich bis zur Handlungsunfähigkeit untereinander „für die Hunde“ zerstritten und Niemand anderem einen Erfolg gönnten. Gleichzeitig sah ich große „Listenhunde“ Vereine die mit Firmen kooperierten, diese bewarben, die mit dem Gangstaimage offen geworben haben (inkl „lustigen“ Bildern von gefesselten Frauen in Kofferräumen) …. Ich leb jetzt mit meinen Listenhunden und der Rest kann mich mal.

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    1. Ja, das kann ich verstehen. Auch die „Szene“…sei es die Tierschutzseite oder eben diese Seite, die dieses Image weiter bedienen und noch stolz drauf sind rühren mit, dass es so ist, wie es ist. Habe ich auch schon mitbekommen und ist mir zuwider…denn wenn die Betroffenen sich schon nicht solidarisieren und an einem Strang ziehen können, wie soll das was werden? Die Deppen bleiben die Hunde 😦 Ich wünsche dir ein weiteres schönes Leben mit deinen Listis 🙂

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